Prämenstruelles Syndrom (PMS) | Gyn-Depesche 2/2017

Risikoindikator für Hypertonie?

Immer häufiger wird ein erhöhter Blutdruck auch bei jungen Frauen festgestellt. Die einer Hypertonie zugrunde liegenden Mechanismen stehen teilweise auch im Zusammenhang mit Symptomen des prämenstruellen Syndroms (PMS). Tatsächlich scheinen beide Leiden miteinander verknüpft zu sein.

Den Zusammenhang zwischen PMS und Hypertonie untersuchten Forscher an der Universität von Massachusetts. Dort befragte man 409 gesunde menstruierende junge Frauen (Durchschnittsalter 21 Jahre) zu Frequenz und Stärke verschiedener PMS-Symptome und filterte jene mit mittelstark bis stark ausgeprägten bzw. kaum oder keinen PMS-Symptomen heraus (n=78 bzw. 88). In beiden Gruppen erhob man Daten zu BMI sowie weiteren Gesundheits- und Lebensstilfaktoren und bestimmte fünf bis sieben Tage vor dem jeweils erwarteten Zyklusbeginn den Blutdruck. Im Schnitt fiel der diastolische Blutdruck bei den Frauen mit PMS um 3,1 mmHg höher aus als bei den Frauen der Kontrollgruppe (71,5 vs. 68,4 mmHg). Der systolische Blutdruck unterschied sich zwischen den Frauen mit bzw. ohne PMS nicht. Signifikant erhöhte diastolische Blutdruckwerte traten bei Frauen auf, die prämenstruell an Depressionen, Akne und abdominalen Blähungen litten. Den stärksten Blutdruckunterschied zeigten Frauen mit prämenstrueller Übelkeit (+6,7 mmHg gegenüber Kontrolle). Die Ergebnisse galten auch unter Berücksichtigung relevanter Risikofaktoren für Hypertonie, z. B. BMI oder Raucherstatus. Daher ist der Zusammenhang zwischen Hypertonie und PMS vermutlich nicht allein auf geteilte Risikofaktoren zurückzuführen. Möglich ist, dass beiden Krankheitsentitäten Störungen im Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS), bestimmte Mikronährstoffmängel und/oder Entzündungsprozesse zugrunde liegen. Die genauen kausalen Zusammenhänge allerdings sind, so müssen die Autoren konstatieren, derzeit aber noch unbekannt. OH


Quelle:

Bertone-Johnson ER et al.: Association of premenstrual syndrome with blood pressure in young adult women. J Womens Health 2016; 25(11): 1122-8

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