COVID-19 | Gyn-Depesche 3/2020

Schwangerschaft in Zeiten von Corona

In einem US-amerikanischen Review geben Experten erste Empfehlungen, wie der Arzt bei einer SARS-CoV-2-Infektion während der Schwangerschaft vorgehen sollte.
Noch ist die Datenlage zum Umgang mit COVID-19 während einer Schwangerschaft begrenzt. Die jetzt veröffentlichten Empfehlungen basieren auf Erfahrungen im Umgang mit SARS und MERS sowie ersten Daten zu COVID-19. Da eine Coronavirus-Infektion das Risiko von Schwangerschafts-Komplikationen erhöhen kann, sollte eine engmaschige medizinische Überwachung der Mutter und des Fötus gewährleistet werden, sagen die Studienautoren.
Prinzipiell werden Maßnahmen empfohlen wie eine frühzeitige Isolation, eine offensive Infektionskontrolle, Vermeidung von Hypovolämie, wenn notwendig Sauerstofftherapie, empirische Antibiotikatherapie bei sekundären bakteriellen Infektionen, Überwachung der Herztöne des Fötus und der Wehentätigkeit, sowie bei fortschreitender respiratorischer Insuffizienz frühzeitige mechanische Beatmung und eine individualisierte Geburtsplanung in einem multidisziplinären Team. So kann zum Beispiel eine Veränderung der Herztöne beim Fötus auf eine respiratorische Verschlechterung der Mutter hindeuten. Wenn eine mechanische Beatmung der Mutter nicht mehr ausreicht, sollte eine extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) zum Einsatz kommen. In die Entscheidung, ob eine Geburt eingeleitet werden soll, sollte nicht nur der Zustand der Mutter einfließen, sondern die Meinung eines Neonatologen.
Bei der Behandlung einer mit COVID-19 assoziierten Lungenentzündung sollten laut der Autoren Kortikosteroide vermieden werden. Ist der Einsatz dieser zur Lungenreifung des Fötus indiziert, sollte die Anwendung in Absprache mit einem Infektiologen und einem Mutter-Kind- Spezialisten erfolgen.
Bis zum jetzigen Zeitpunkt gibt es noch keine verlässlichen Hinweise zu einer Übertragung des Virus von der Mutter auf den Fötus. Jedoch sollte das Kind einer infizierten Mutter zum Schutz isoliert betreut werden. Über die Dauer der Isolation sollten Infektiologen und Neonatologen individuell entscheiden. Unbekannt ist, ob das Virus durch Muttermilch übertragen wird. In vorläufigen Studien waren Brustmilchproben von infizierten Müttern negativ auf SARS-CoV-2 getestet worden. GH
Quelle: Rasmussen SA et al.: Coronavirus disease 2019 (COVID-19) and pregnancy: What obstetricians need to know. Am J Obstet Gynecol 2020; Epub Feb 24; doi:10.1016/j. ajog.2020.02.017
ICD-Codes: U07.1

Alle im Rahmen dieses Internet-Angebots veröffentlichten Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Übersetzungen und Zweitveröffentlichungen, vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung, Verlinkung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlags.

Ihr Zugang zu exklusiven Inhalten für Fachkreise

Login für Fachkreise

Neu registrieren

Passwort vergessen?