Noch viel zu erforschen | Gyn-Depesche 2/2002

Sexualhormone und Knochenentwicklung

Dass Östrogenmangel bei der Entstehung der Osteoporose ein wichtiger Faktor ist, ist seit langem bekannt. Erst in jüngerer Zeit wurden jedoch die komplexen Wechselwirkungen intensiv erforscht.

Die Knochenmasse hat im Alter von etwa 20 Jahren ihr Maximum erreicht, im fünften Lebensjahrzehnt beginnt bei Männern und Frauen ein allmählicher Knochenabbau. An der Entstehung einer Osteoporose sind zwei Mechanismen beteiligt: eine erhöhte Anzahl von Zonen, in denen gleichzeitig Umbauprozesse ablaufen (der Vorgang ist reversibel), sowie ein Überwiegen des Knochenabbaus über die Knochenneubildung in den einzelnen Regionen (irreversibel). Der Effekt einer Hormonersatztherapie wurde in histomorphometrischen Analysen untersucht. Bei Frauen in der Postmenopause war die Knochenumbau-Frequenz nach einem Jahr Therapie etwa auf die Hälfte des Basiswerts zurückgegangen, die Wandstärke der Knochen und die Tiefe resorptiver Erosionen war jedoch unverändert. Dies deutet darauf hin, dass die HRT die Knochenmasse vor allem durch eine Reduktion der Umbau-Frequenz erhält, nicht jedoch durch eine gesteigerte Knochenneubildung. Andererseits gibt es Hinweise darauf, dass hochdosierte Östrogengaben durchaus eine anabole Wirkung auf das Skelett haben und das Gleichgewicht im Knochenstoffwechsel zugunsten der Neubildung verschieben könnten. Ein weiterer Forschungsschwerpunkt ist die Entwicklung selektiver Östrogen-Rezeptor-Modulatoren, die ihre Wirkung nur an bestimmten Zielorganen entfalten. Bisher wenig untersucht ist die Bedeutung der Androgene für den Knochenstoffwechsel. Ein angeborener Aromatase-Mangel kann die Skelettentwicklung erheblich beeinträchtigen. Androgene scheinen auch die weibliche Knochenentwicklung zu beeinflussen. (re)

Quelle: Compston JE: Sex steroids and bone, Zeitschrift: PHYSIOLOGICAL REVIEWS, Ausgabe 81(1) (2001), Seiten: 419-447

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