FOKO 2017 der Frauenärztlichen BundesAkademie (FBA)

Gyn-Depesche 2/2017

Spina bifida pränatal versorgen – Lipofilling bei Mamma-Ca – eHealth

Auf dem diesjährigen Fortbildungskongress der Frauenärztlichen BundesAkademie (FOKO), der vom 9. bis 11. März 2017 in Düsseldorf mit einem reichhaltigen Themenangebot stattfand, gab es einige besondere Innovationen: die Erfolge der offenen Operation der Spina bifida im Mutterleib, das Lipofilling als elegante Alternative oder Ergänzung zur Brustrekonstruktion bei Mammakarzinom-Patientinnen und neue telemedizinische Entwicklungen, die Vorteile für Ärzte und Patientinnen bringen.

Eine Spina bifida wird jedes Jahr bei etwa 7000 Ungeborenen im zweiten Trimenon anhand typischer sonographischer Zeichen festgestellt, wie Prof. Christof Sohn, Heidelberg, ausführte. Die Konsequenzen der Meningomyelozele für das Kind hängen von der Höhe und der Länge des Defekts ab. Im Vordergrund steht die Querschnittssymptomatik. Außerdem kann ein sekundärer Hydrozephalus entstehen, weil das Kleinhirn bedingt durch den Liquorverlust in das Foramen ovale vorfällt (Arnol-Chiari-Typ-II-Malformation). In etwa einem Viertel der Fälle entscheiden sich die Eltern für einen Abbruch der Schwangerschaft. Kinder, die mit einem Neuralrohrdefekt auf die Welt kommen, werden standardmäßig versorgt mit Verschluss des Defekts, was eigentlich nur der Infektionsprävention dient, aber nicht das neurologische Outcome verbessert. Bei den meisten Kindern muss zur Entlastung des sekundären Hydrozephalus ein ventrikuloperitonealer Shunt angelegt werden. Offene pränatale Operation besser als postnatale Versorgung Eine spektakuläre Innovation stellt die offene pränatale Operation der Spina bifida dar. Sie hat in der multizentrischen US-amerikanischen MOMS-Studie einen eindeutigen Outcome- Vorteil für die Kinder im Vergleich zur postnatalen neurochirurgischen Behandlung gezeigt. Es traten signifikant weniger Chiari- II-Malformationen (4% versus 36%), halb so oft (40% versus 82%) ein Shunt-bedürftiger Hypdrozephalus, und signifikant weniger motorische Probleme auf. Allerdings kam es häufiger zu Komplikationen wie vorzeitigem Blasensprung und Frühgeburten. In St. Louis, USA, wurde der Eingriff bereits 50 Mal erfolgreich durchgeführt. Das interdisziplinäre Team der Universität Heidelberg arbeitete sich in einer Kooperation mit den Amerikanern in die dort praktizierte Methode ein und wendete sie im Herbst 2016 in Heidelberg erstmals selbst an. Kernpunkt ist der mikrochirurgische schichtweise Defektverschluss, der neurologische Strukturen weitgehend schont. Lipofilling für kleinere Volumendefekte Die brusterhaltende Therapie mit nachfolgender Bestrahlung und adjuvanter Hormonund/ oder Chemotherapie kommt heute bei 80% der primären Mammakarzinome zum Einsatz. Doch auch dabei bleiben kleinere Volumendefekte zurück, wie Prof. Lukas Schwentner, Ulm, ausführte. Um sie zu füllen, bietet das Lipofilling eine schonende Alternative zu klassischen Rekonstruktionsverfahren bzw. eine Ergänzung nach komplexen Rekonstruktionen. Gewonnen wird das Fettgewebe durch Liposuktion meist aus dem Bauch, bei sehr schlanken Frauen auch aus dem Gesäß. Das Aspirat wird dann gefiltert oder dekantiert und gewaschen. Appliziert werden sollte es fächerförmig in einzelnen Kanälen, insgesamt nicht mehr als 200 ml pro Sitzung. Hämatome an den Entnahmestellen sowie Infektionen und Sensibilitätsstörungen können auftreten. Außerdem besteht ein Risiko für Fettgewebsnekrosen an den Injektionsstellen, die unter Umständen die radiologische Diagnostik beeinträchtigt. Das anfangs viel diskutierte und befürchtete Risiko, dass durch das Lipofilling Lokalrezidive getriggert werden, scheint nach einer aktuellen Metaanalyse sehr gering zu sein. Es wird empfohlen, mit dem Lipofilling mindestens ein Jahr Abstand zur Primärtherapie einzuhalten. Bei Vorliegen von BRCA-Mutationen, Schwangerschaft oder abklärungsbedürftigen Befunden ist Lipofilling allerdings kontraindiziert. Neue telemedizinische Angebote Auch in die frauenärztliche Versorgung haben telemedizinsche Angebote Einzug gehalten. Zwei davon stellte Sean Monks, München, vor. Der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) entwickelt analog zu einem erfolgreichen Beispiel in der Pädiatrie ein gynäkologisches Experten- Konsil für niedergelassene Frauenärzte. Es bietet eine Vernetzung mit Spezialisten, z. B. Reproduktionsmedizinern, die der anfragende Arzt zur Beantwortung von speziellen Fragestellungen in individuellen Patientenfällen heranziehen kann. Eine Antwort kommt innerhalb von 24 Stunden – so wird die Zeit bis zur Diagnose und/oder Therapie erheblich kürzer. Neben der Reproduktionsmedizin sind weitere Anwendungsgebiete für das Gyn-Konsil denkbar, etwa spezielle Endokrinologie, Sexualmedizin und Kindergynäkologie. In vielen gynäkologischen Praxen wird die PraxisApp „Mein Frauenarzt“ bereits als organisatorisches Tool genutzt. Als neue Anwendung stellte Monks die Online-Video-Sprechstunde vor. Mit diesem Angebot kann man z. B. junge Mädchen erreichen, die sonst kaum in die Praxis kommen, immobile ältere Patientinnen oder auch Frauen, die regelmäßiger Kontrollen bedürfen. Über die Vergütung verhandelt die KV gerade mit den Krankenkassen. AB

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