Postpartale Beckenschmerzen | Gyn-Depesche 3/2016

Stillen stillt den Schmerz

Meist kommen schwangerschaftsinduzierte Schmerzen im Beckenbereich nach der Entbindung rasch zum Erliegen. Manchmal bleiben sie aber über Jahre bestehen. Das könnte hormonelle Ursachen haben, denn offenbar spielt die Stilldauer eine Rolle.

Inwiefern Stillen zur Erholung betroffener Patientinnen beitragen kann, untersuchten Forscher im Rahmen eines Follow-up der Norwegian Mother and Child Cohort Study. Eingeschlossen waren über 10 600 Schwangere mit Einlingsgeburten, die innerhalb von drei Monaten nach der Entbindung Schmerzen anterior oder bilateral posterior im Beckengürtel angegeben hatten. Zusätzlich wurden verschiedene gesundheitsbezogene und soziodemographische Daten erhoben.
18 Monate post partum litten noch 7,8% der Patientinnen an Beckenschmerzen, davon 22,7% stark. Das Stillverhalten in den ersten fünf Lebensmonaten des Kindes beeinflusste die Persistenz der Schmerzen nicht. Je kürzer allerdings die Stilldauer ausfiel, desto höher war der Anteil an Frauen mit persistierendem Be ckenschmerz (p<0,001). Adjustiert war die Assoziation mit Schmerzen im Beckengürtel nur noch für eine Stilldauer zwischen null und zwei Monaten signifikant. Auch galt der Zusammenhang ausschließlich für Frauen mit einem BMI ≥25 kg/m².
Die Ergebnisse lassen auf einen geringen protektiven Effekt des Stillens auf die Erholung von postpartalen Beckenschmerzen schließen. Die Autoren empfehlen, betroffenen Patientinnen das Stillen gemäß den ohnehin geltenden Empfehlungen nahezulegen. OH

Quelle:

Bjelland EK et al.: Breastfeeding and pelvic girdle pain: a follow-up study of 10 603 women 18 months after delivery. BJOG 2015; 122: 1765-71

ICD-Codes: R10

Das könnte Sie auch interessieren

Alle im Rahmen dieses Internet-Angebots veröffentlichten Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Übersetzungen und Zweitveröffentlichungen, vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung, Verlinkung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlags.