Primäre Ovar-Insuffizienz | Gyn-Depesche 3/2019

Östrogenmangel schadet dem Herzen

Die primäre Ovar-Insuffizienz, eine seltene Erkrankung, geht mit frühzeitiger Menopause einher. Das bedeutet Östrogenmangel in relativ jungen Jahren. Inwieweit wirkt er sich auf die kardiovaskuläre Morbidität aus?

Eine primäre Ovar-Insuffizienz (POI) stellt die schwerste Form von früher Menopause dar. Sie ist durch eine verminderte Produktion gonadaler Steroide gekennzeichnet, verbunden mit unregelmäßigen Menses und einem Anstieg des FSH im Serum in frühen Jahren. Solchen Frauen drohen langfristig Gesundheitsprobleme wie Osteoporose, Frakturen, Depression und Angststörungen sowie kognitiver Abbau, aber auch eine Koronarsklerose. Das kardiovaskuläre Risiko dieser Frauen führt man auf ihren Östrogenmangel zurück. Deshalb substituiert man bei POI oft Östrogene, wenn auch längst nicht immer.
Den Folgen von Östrogenmangel bzw. dem Nutzen eines Hormonersatzes gingen Experten in einer zwischen 1996 und 2016 durchgeführten Querschnittsstudie nach. Eingeschlossen waren 385 Frauen mit POI, definiert anhand von Amenorrhoe und FSH-Werten > 40 U/l im Alter von < 40 Jahren. Eine Intervention gab es nicht. Die Dauer von Östrogenmangel im bisherigen Leben (sie lag im Mittel bei 3,1 Jahren) korrelierte positiv mit dem abgeschätzten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse. Die Länge der Östrogen-Exposition (mittlerer Wert 19,3 Jahre) zeigte eine negative Korrelation. Das galt auch (erwartungsgemäß) für die Spiegel von LDL- und Non-HDL-Cholesterin. Die Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, bei Frauen mit POI frühzeitig eine Östrogen-Substitution in die Wege zu leiten. Derzeit bekommt mehr als die Hälfte der jungen Frauen mit POI keine Hormone oder die Substitution setzt stark verzögert ein oder wird vorzeitig abgesetzt. WE
 

 

Quelle:

Christ JP et al.: Estrogen deprivation and cardiovascular disease risk in primary ovarian insufficiency. Fertil Steril 2018; 109: 594-600

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