Jodversorgung in Deutschland

Gyn-Depesche 2/2002

Trotz Besserung immer noch mangelhaft

Lange Zeit gab es keine repräsentative Untersuchung zur Jodversorgung der gesamten Bevölkerung in Deutschland. Deshalb wurde 1996 die erste landesweite Befragung und Untersuchung zur Jodversorgung in Deutschland durchgeführt.

Ausgewertet wurden die Daten von 2500 Jugendlichen und Erwachsenen über 13 Jahren. Die Schätzung der Jodaufnahme basierte auf einer Befragung über die täglich aufgenommenen Nahrungsmittel und deren Jodgehalt. Einige Fragen bezogen sich auf die Verwendung von jodiertem Speisesalz und Jodtabletten. Um regionale Unterschiede in der Jodversorgung aufzudecken, wurden zusätzlich die Daten bzw. Urinproben von 574 Erwachsenen zwischen 50 und 70 Jahren, 769 Wehrpflichtigen sowie 886 Müttern mit ihren Neugeborenen aus 26 Regionen ausgewertet. Bei 91 Kontrollpersonen (alte und junge Männer sowie Frauen) wurden Urinproben über 24 Stunden gesammelt und ausgewertet. 75% der Deutschen über 13 Jahren verwendeten jodiertes Speisesalz, 1,3% nahmen Jodtabletten und 3% jodhaltige Medikamente ein. Wegen Schilddrüsenerkrankungen wurden 8,2% behandelt und 2,0% operiert. 1996 lag die geschätzte Jodaufnahme bei Jugendlichen und Erwachsenen in Deutschland bei 119 µg/d. Die entsprechende Jodausscheidung betrug 108 µg/d bei Wehrpflichtigen, 107 µg/d bei Senioren und 58 µg/d bei stillenden Müttern ohne Jodprophylaxe. Nur 21% der stillenden Mütter nahmen während der Schwangerschaft Jodid-Tabletten ein. Regional wurden deutliche Unterschiede hinsichtlich der Jodaufnahme verzeichnet. Die durchschnittliche Differenz zwischen den drei Regionen mit der höchsten und den drei mit der niedrigsten Jodaufnahme betrug 44 µg/d bei den Wehrpflichtigen, 38 µg/d bei den Erwachsenen (50 bis 70 Jahre), 74 µg/d bei stillenden Müttern. Zwischen Nord-, Süd-, West- und Ostdeutschland gab es jedoch keine Unterschiede. Neugeborene, deren Mütter keine Jodprophylaxe durchführt hatten, zeigten die geringste mediane Jodkonzentration im Urin (5,1 µg/dl). Dies ist insofern bemerkenswert, als sich Jodmangel gerade bei Kindern (bereits im Mutterleib) besonders drastisch auswirken kann, beispielsweise in Form von Entwicklungsstörungen.

Quelle: Gartner, R: Representative data of iodine intake and urinary excretion in Germany, Zeitschrift: EXPERIMENTAL AND CLINICAL ENDOCRINOLOGY AND DIABETES, Ausgabe 109 (2001), Seiten: 2-7
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