Neues Prognosetool | Gyn-Depesche 5/2020

Vaginalabstrich sagt Frühgeburt voraus

Eine gestörte Vaginalflora gilt als wichtiger Risikofaktor für eine Frühgeburt. Ein neuer Mikrobiomtest soll helfen, das Frühgeburtsrisiko besser einzuschätzen.
Der Nachweis „flüchtiger organischer Verbindungen“ (volatile organic compounds, VOC) als Zeichen einer mikrobiellen Dysbiose hat sich bereits bei verschiedenen Erkrankungen als präzises Diagnosetool erwiesen – darunter chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Diabetes oder Sepsis. Die VOC-Analyse erfolgt dabei anhand eines Gaschromatograf-Ionen-Mobilitäts-Spektrometers (GS-IMS). Ein Forscherteam der Warwick Medical School, Großbritannien, hat vor kurzem einen entsprechenden Test zur Detektion von bakterieller Vaginose entwickelt. Da vorangegangene Studien einen Zusammenhang von bakterieller Vaginose und dem Frühgeburtsrisiko gezeigt haben, prüften die Forscher nun, ob sich durch den Test, für den lediglich ein Vaginalabstrich nötig ist, auch die Wahrscheinlichkeit einer Frühgeburt beurteilen lässt. Für die prospektive Beobachtungsstudie wurden 196 asymptomatische Frauen zwischen der zehnten und 29. Schwangerschaftswoche (SSW) rekrutiert. Alle Probandinnen befanden sich wegen vorbestehender Risikofaktoren für eine Frühgeburt in einer auf Hochrisikoschwangerschaften spezialisierten Klinik in Großbritannien. Von jeder Patientin wurden zeitversetzt zwei Vaginalabstriche genommen und anhand des GS-IMS analysiert.
Der Test stellte sich als ein geeignetes Tool zur Abschätzung des Frühgeburtsrisikos heraus: Bei einem Vaginalabstrich im zweiten Trimester ergab sich eine area under the curve (AUC) von 0,79, mit einer Sensitivität von 0,66 und einer Spezifität von 0,89. Bei der zweiten Probenahme, die näher am errechneten Geburtstermin lag, wurde eine AUC von 0,84, eine Sensitivität von 0,73 und eine Spezifität von 0,9 erreicht. Je näher der Test also am Geburtstermin lag, umso höher war dessen Genauigkeit.
Die Studienautoren schlagen vor, die Detektion von VOC in bereits bestehende Prognosemodelle zu integrieren, um eine möglichst hohe Genauigkeit zu erreichen. Beispielsweise kombiniert ein kürzlich veröffentlichtes Modell zur Vvorhersage einer Frühgeburt die Zervixlänge, fetales Fibronektin sowie klinische Parameter und bildet daraus einen prädiktiven Marker. Gegenüber dieser Methode hat die VOC-Analyse mehrere Vorteile. Dazu zählt unter anderem, dass fetales Fibronektin nur bis zur 22. SSW gemessen werden kann.
Da es sich bei einer Frühgeburt um einen multifaktoriellen Prozess handelt, können durch einen einzelnen Parameter niemals alle Ereignisse vorhergesagt werden, so die Autoren abschließend. Dennoch könnte die VOC-Detektion eine wichtige Ergänzung bei der Beurteilung des Frühgeburtsrisikos bei asymptomatischen Hochrisikopatientinnen darstellen. RG
Quelle: Lacey L et al.: Volatile organic compound analysis, a new tool in the quest for preterm birth prediction - an observational cohort study. Sci Rep 2020; 10(1): 12153
ICD-Codes: O60

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