Nikotinkonsum | Gyn-Depesche 2/2016

Vitamine statt Rauchstopp?

Rauchen während der Schwangerschaft ist einer der größten bekannten Risikofaktoren für intrauterine Wachstumsrestriktion und diverse andere fetale Komplikationen. Einem Teil davon kann möglichweise eine Supplementation der Vitamine C und E entgegenwirken.

Knapp 10 000 Nulliparae ohne Vorerkrankungen hatten an einer plazebokontrollierten Multicenterstudie teilgenommen, die den Effekt einer Vitamin-C- und -E-Supplementation (1000 mg Vit. C + 400 IE Vit. E/ Tag) auf die Inzidenz schwangerschaftsassoziierter hypertensiver Erkrankungen untersuchte. 1551 Frauen gaben an, während der Schwangerschaft zumindest eine Zeit lang noch Zigaretten geraucht zu haben; der Rest hatte entweder nie geraucht oder vor der Konzeption damit aufgehört.
Erwartungsgemäß wirkte sich der Nikotinkonsum unabhängig von der Vitaminsupplementierung auf fast alle untersuchten Studienendpunkte negativ aus: auf die Inzidenz von Schwangerschaftshypertonie, Plazentalösungen, Frühgeburten, SGA-Kindern und neonatalen Komplikationen wie Atemnotsyndrom, Sepsis oder nekrotisierende Enterokolitis. Ein protektiver Effekt des Rauchens auf das Präeklampsierisiko wurde – anders als in anderen Studien – nicht gefunden.
Die Gabe von Vitamin C und E reduzierte das Risiko für eine vorzeitige Plazentalösung bei Raucherinnen um 91%. Die Gefahr einer Frühgeburt sank um knapp ein Viertel. Bei Nichtraucherinnen fand sich dagegen kein derartiger Effekt der Vitaminsupplementierung. Das Risiko für Präeklampsie, Schwangerschaftshypertonie und PPROM (preterm premature rupture of membranes) blieb in beiden Gruppen unbeeinflusst. Auch auf die Raten an SGA-Babys, neonataler Morbidität und intensivmedizinischer Versorgung wirkte sich die Vitamingabe nicht aus.
Bei einem beträchtlichen Anteil der Frauen gelingt ein Rauchstopp während der Schwangerschaft nicht. In diesen Fällen könnte die Supplementation von Vitamin C und E möglicherweise einige Risiken reduzieren. Dennoch muss ein Rauchverzicht vorrangiges Ziel bleiben. CW

Quelle:

Abramovici A et al.: Prenatal vitamin C and E supplementation ... BJOG 2015; 122: 1740-7

Das könnte Sie auch interessieren

Alle im Rahmen dieses Internet-Angebots veröffentlichten Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Übersetzungen und Zweitveröffentlichungen, vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung, Verlinkung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlags.