Vaginale Entbindung nach Sectio | Gyn-Depesche 1/2019

Vorsicht bei langer zweiter Geburtsphase

Besteht ein erhöhtes Risiko für Mutter und Kind, wenn nach einem vorangegangenen Kaiserschnitt die zweite Geburtsphase länger dauert?

Analysiert wurden die Daten von 4.579 Gebärenden, die bereits einmal mittels Sectio entbunden hatten. Von ihnen konnten 4.147 (90,6 %) jetzt vaginal entbinden. Dabei korrelierte die vaginale Entbindungsrate umgekehrt mit der Dauer der zweiten Geburtsphase. Sie betrug 97,3 % bei einer Wehendauer von weniger als einer Stunde und sank auf 45,5 %, wenn die zweite Geburtsphase vier Stunden oder länger dauerte. Auch stieg mit der Wehendauer das Risiko für maternale Komplikationen. So betrug das Risiko für eine Uterusruptur oder Dehiszenz nur 0,7 % bei einer Wehendauer < 1 h gegenüber 3,1 % bei einer Wehendauer ≥ 3 h. Das kindliche Risiko wurde durch die Dauer der zweiten Geburtsphase nicht signifikant beeinflusst.
Auch wenn bei einer Verlängerung der zweiten Geburtsphase auf über drei Stunden grundsätzlich eine vaginale Entbindung bei der Hälfte der Gebärenden nach einem vorausgegangenen Kaiserschnitt noch möglich ist, so steigt doch das mütterliche Risiko, so dass bei solchen Frauen eine intensive Überwachung während der Geburt erforderlich ist. PS

Quelle:

Hehir MP et al.: Second-stage duration and outcomes among women who labored a prior cesarean delivery. Obstet Gynecol 2018; 131: 514-22

ICD-Codes: O75.7

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