Postpartale Sexualfunktion | Gyn-Depesche 4/2016

Was bringt das Beckenbodentraining?

Viele Primipara empfinden den Sex nach der Entbindung als weniger befriedigend. Häufig leiden sie unter unzureichender Lubrikation und eine veränderte Wahrnehmung und Laxität der Vagina, Dyspareunie oder koitale Inkontinenz. Ein Training der Beckenbodenmuskulatur kann diesen Beschwerden entgegenwirken – allerdings nur begrenzt.

Inwiefern Beckenbodentraining nach der Geburt eine gestörte Sexualfunktion kurz nach der Entbindung verbessern kann, untersuchten Forscher in Norwegen an 175 Primipara, die auf natürlichem Wege ein Kind zur Welt gebracht hatten. Sechs Wochen nach der Geburt wurden die Teilnehmerinnen per transperinealem Ultraschall auf das Vorliegen schwerer Defekte im M. levator ani untersucht.
87 Frauen nahmen in den folgenden vier Monaten an einem wöchentlichen Kurs (Beckenbodentraining) teil und sollten zusätzlich täglich eine Übung zu Hause durchführen. Die 88 Frauen der Kontrollgruppe erhielten lediglich eine Infobroschüre zum Stellenwert der Beckenbodenmuskulatur für die Sexualfunktion.
Insgesamt waren sechs Monate post partum keine signifikanten Unterschiede zwischen den Frauen mit bzw. ohne Beckenbodentraining feststellbar. Allerdings gaben Frauen mit schweren Defekten im M. levator ani (n=55), die ein Beckenbodentraining absolviert hatten, seltener ein Gefühl von vaginaler Laxität an als betroffene Frauen in der Kontrollgruppe (RR 0,55; 95%KI 0,31 - 0,95; p=0,03). Bei diesen Frauen war außerdem ein signfikanter Zuwachs an Muskelkraft und -ausdauer im Beckenboden messbar. OH

Kommentar

Beckenbodentraining ist vermutlich nicht für alle Patientinnen gleichermaßen effektiv. In der hier untersuchten Subgruppe der Patientinnen mit schwerem Trauma des M. levator ani war die positive Wirkung des Beckenbodentrainings allerdings signifikant messbar.

Schimpf MO: Postpartim pelvic therapy and sexual function. BJOG 2016. Ebd. 643

Quelle:

Tennfjord MK et al.: Effect of postpartum pelvic floor muscle training on vaginal symptoms and sexual dysfunction – secondary analysis of a randomised trial. BJOG 2016; 123: 634-42

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