Sound of Silence

Gyn-Depesche 5/2020

Was hören Frühgeborene im Brutkasten?

Dieser Frage ist ein interdisziplinäres Team von MedUni Wien und AKH Wien in einer aktuellen Studie nachgegangen.
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden jedes Jahr etwa 15 Millionen Babys zu früh geboren. Trotz allgemeiner Verbesserungen in der Intensivmedizin sind viele Frühgeborene mit lebenslangen Beeinträchtigungen konfrontiert. Jetzt wurde der Frage nachgegangen, ob eine Hörbeeinträchtigung auch mit der Zeit im Inkubator zusammenhängen könnte. Die Wissenschaftler haben herausgefunden, dass sich das intrauterine Hörerlebnis deutlich von der extrauterinen Hörbelastung auf einer Intensivstation für Neugeborene (NICU) unterscheidet. Mehrere Studien haben dokumentiert, dass der Schallpegel innerhalb einer NICU den empfohlenen Schwellenwert von 35 Dezibel (dB) bei weitem permanent überschreitet, es werden zum Teil Spitzenwerte von weit über 100dB erreicht. Hohe Schallpegel können allerdings zu Hörschäden oder sogar zu Hörverlust führen – bei Frühgeborenen liegt die Häufigkeit bei zwei bis zehn Prozent, bei anderen Kindern dagegen nur bei 0,1 %. Frühgeborenen im Inkubator fehlt die natürliche Filterung und Absorption der Geräuschkulisse im Mutterleib, so die Studienautoren. Die Ergebnisse der Studie zeigen eine Verstärkung niedriger Frequenzen innerhalb eines Inkubators. Besonders beeindruckend war, wie laut Atemunterstützungsgeräte im Inneren des Inkubators werden, wenn die Luftmenge nur leicht erhöht wird. So werden zum Beispiel Stimmen von außen unverständlich, und die Frühgeborenen sind einer sehr hohen Lärmbelastung ausgesetzt. Den behandelnden Ärzten wird daher geraten, bei der Beatmung nur die tatsächlich notwendige Intensität einzustellen. AT
Quelle: Bertsch M et al.: The „Sound of Silence“. Front Psychol 2020; 11: 1055
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