Uteruserhaltende Deszensuskorrektur

Gyn-Depesche 2/2021

Welcher Zugangsweg beruhigt eine überaktive Blase?

Dass die Suspension des Uterus zur Behandlung von Senkungsbeschwerden der Hysterektomie ebenbürtig ist, belegen diverse Studien. Ein direkter Vergleich der verschiedenen Zugangswege bei uteruserhaltenden Verfahren fehlte bislang jedoch.
In sechs Kliniken in den Niederlanden und Belgien wurde bei 126 Frauen mit einem Descensus uteri (POP-Q ≥ 2) eine uteruserhaltende Korrektur durchgeführt. Randomisiert erfolgte zu gleichen Teilen entweder eine vaginale sakrospinale Hysteropexie (SSHP) oder eine laparoskopische Sakrohysteropexie (LSH) mit Netzeinlage. Frauen mit einer früheren Prolapsoperation oder Auffälligkeiten des Uterus waren ausgeschlossen. Die Nachbeobachtungszeit endete nach zwölf Monaten.
Die Versagerquote im apikalen Kompartiment betrug bei der SSHP 3,3 %, bei der LSH 1,6 % in der Intention-to-treat-Analyse. Auch in der Per-protocol-Auswertung ergaben sich keine signifikanten Unterschiede. Zu einem anatomischen Rezidiv kam es in 63,6 % vs. 62,1 % der Fälle, meist im anterioren Kompartiment. Die Erfolgsrate definierte sich durch die Abwesenheit von belastenden Prolapsbeschwerden ohne Pessartherapie oder erneute Operation. Sie belief sich auf 80,0 % bzw. 82,8 %. Hinsichtlich der Lebensqualität und der Sexualfunktion lagen die beiden Gruppen ebenfalls sehr nahe beieinander. Allerdings litten nach einer SSHP fast dreimal so viele Frauen an Dyspareunie (33,3 % vs. 13,5 %) – eine Folge des vaginalen Zugangswegs, vermuten die Studienautor:innen.
Nach einer LSH klagten die Patientinnen dagegen über signifikant mehr Beschwerden durch eine überaktive Blase. In der LSHGruppe persistierten die Symptome bei 28 % der präoperativ betroffenen Frauen, in der SSHP-Gruppe bei 13,5 %. De novo traten sie in zwei Fällen nach LSH auf. Ähnliches galt für fäkale Inkontinenz: Nach einer LSH berichteten 10,2 % von weiterhin bestehenden Beschwerden, nach einer SSHP waren es nur 3,4 %. Neu aufgetreten waren sie bei 8,5 % bzw. 6,9 %.
In beiden Gruppen zeigten sich ein Jahr nach dem Eingriff fast 90 % der Patientinnen zufrieden mit dem Operationsergebnis. Ebenso viele würden die jeweilige Methode weiterempfehlen. Insgesamt erwies sich die LSH daher im Vergleich zur SSHP als nicht unterlegen, schlossen die Autor:innen. Geringfügige Unterschiede bei den sekundären Studienendpunkten weisen jedoch darauf hin, dass die Entscheidung für den optimalen Zugangsweg von den individuellen Voraussetzungen der Patientin abhängig gemacht werden sollte. So scheinen sich die Symptome einer überaktiven Blase nach einer SSHP eher zu verbessern als nach einer LSH. Inwieweit das bei der LSH verwendete Mesh-Material einen Einfluss auf den Erfolg hat, muss sich noch erweisen. CW
Quelle: van IJsselmuiden MN et al.: Hysteropexy in the treatment of uterine prolapse stage 2 or higher: laparoscopic sacrohysteropexy versus sacrospinous hysteropexy – a multicentre randomised controlled trial (LAVA trial). BJOG 2020; 127: 1284-93
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