Vaginales Mikrobiom | Gyn-Depesche 6/2019

Wie Verhütung die Flora beeinflusst

Wenn die „gesunde“ Vaginalflora in Unordnung gerät, kann es zu bakterieller Vaginose mit ihren Beschwerden kommen; sexuell übertragbare Infektionen einschließlich HIV werden leichter akquiriert. Deshalb sind Einflüsse auf dieses Milieu von Interesse.
Einige Publikationen sprechen dafür, dass die verschiedenen Kontrazeptionsmethoden Relevanz für Veränderungen des vaginalen Mikrobioms haben. Keime, die typisch für eine bakterielle Vaginose (BV) sind, könnten bei diesen oder jenen Optionen gegenüber der normalen, Lactobacillus- dominierten Besiedelung überhand nehmen.
Die BV weist bei gesunden Frauen im reproduktiven Alter in den USA eine Prävalenz von 29 % auf. Bisherige Studien zu der Frage, welche Kontrazeptionsmethoden schädlich für die Vaginalflora sind, brachten uneinheitliche Befunde, weckten aber doch den Eindruck, dass orale hormonelle Kontrazeptiva oder Depot-Spritzen weniger bedenklich sind als ein Kupfer-Intrauterinsystem (IUD). Ein LNG-IUD rief keine Veränderungen hervor.
Eine Arbeitsgruppe aus den USA und Zimbabwe konzipierte zu diesem Thema eine Kohortenstudie mit 451 afrikanischen Frauen, die nach einer Baseline-Phase mit Kontrazeption begannen, und zwar entweder mit Depot-Spritze bzw. Implantat oder kombinierter Pille oder Kupfer-IUD. Man wollte wissen, welchen Einfluss diese Methoden auf die Menge der Zielzellen für HIV im Genitaltrakt und auf Veränderungen im Sinne einer BV hatten. Mittels quantitativer PCR identifizierte man die verschiedenen Bakterienarten in Vaginalabstrichen, die 30, 90 und 180 Tage nach Beginn der Verhütung entnommen worden waren.
Bei Frauen, die ein Cu-IUD trugen, stieg die Häufigkeit einer BV von ausgangs 27% auf 35%, 40% und 49% an den drei Entnahmetagen. Dabei veränderten sich Häufigkeit und Dichte der erwünschten Laktobazillen nicht, aber Gardnerella vaginalis und Atopobium vaginae, zwei schädliche Spezies, nahmen zu. Bei den hormonellen Kontrazeptionsverfahren registrierte man im gesamten Verlauf keine nennenswerten Veränderungen des vaginalen Mikrobioms.
In der Studie, bei der die Teilnehmerinnen selbst die Kontrazeptionsmethode wählten, konnten Praktiken wie das Wechseln der Kontrazeptionsmethode und der gleichzeitige Gebrauch mehrerer Methoden nicht berücksichtigt werden, ebenso wie unterschiedliche Sexualpraktiken (Frauen mit IUD hatten etwas seltener Geschlechtsverkehr als die anderen). Bei den meisten hormonellen Verfahren wurde nur ein Gestagen eingesetzt. Kombinierte Pillen wurden nur in einer Gruppe eingesetzt; diese konnte nicht separat ausgewertet werden. Ein Manko ist auch die Tatsache, dass der Effekt des LNG-IUD, das in den USA viel häufiger als das Cu-IUD verwendet wird, nicht geprüft wurde.
Nach einer früheren Studie scheint DMPA die HIV-Akquisition zu fördern. Wenn dem so sein sollte, dürfte das nicht auf einer Veränderung der Vaginalflora beruhen. Ob das Cu-IUD einen schädlichen Effekt dieser Art hat, ist offen. Diese Frage wird in einer laufenden Studie (ECHO) geprüft.
Man kann aus den erhobenen Daten zumindest folgern, dass Frauen mit rezidivierender BV zur Kontrazeption besser eine hormonelle Methode und nicht ein Cu-IUD verwenden sollten. WE
Quelle: Achilles SL et al.: Impact of contraceptive initiation on vaginal microbiota. Am J Obstet Gynecol 2018; 218: 622.e1-10

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