Verhütung | Gyn-Depesche 5/2020

Wie wirken Hormone bei Autoimmunerkrankungen?

Sexualhormone können den Verlauf einer Autoimmunerkrankung beeinflussen. Auf eine effektive Kontrazeption müssen betroffene Frauen deshalb aber nicht verzichten.
Bei vielen Autoimmunerkrankungen gelten kombinierte orale Kontrazeptiva (KOK) als kontraindiziert. Je nach Pathomechanismus der Autoimmunität können sich Östrogene und Gestagene aber sowohl positiv als auch negativ auf den Krankheitsverlauf der Patientin auswirken.
Beim systemischen Lupus erythematosus (SLE) und beim Anti-Phospholipid-Syndrom (APS) überwiegt die Evidenz für ein hohes Exazerbationsrisiko durch hormonelle Kontrazeptiva. Auch wenn einzelne neuere Studien keine signifikanten Unterschiede auf die Progression eines SLE durch KOK, eine reine Gestagenpille und ein Kupfer-IUD fanden, empfehlen die WHO- und andere Leitlinien die Insertion eines Kupfer-IUDs, wenn keine schwere Thrombozytopenie vorliegt.
Für die rheumatoide Arthritis (RA) ergaben sich in älteren Studien Hinweise auf einen protektiven Effekt durch KOK. Neuere Metaanalysen konnten dies nicht bestätigen. Widersprüchliche Ergebnisse fanden sich zu den Auswirkungen von KOK auf die multiple Sklerose (MS). Offenbar beeinflusst hier die Gestagenkomponente das Risiko: Im Gegensatz zu den Gestagenen der ersten Generationen schien Drospirenon die MSInzidenz nicht zu erhöhen.
Patientinnen mit autoimmunen Thyreopathien (ATD) erfahren während einer Schwangerschaft oder KOK-Einnahme oft eine temporäre Remission. In einer großen prospektiven Kohortenstudie ergab sich für die weiblichen Verwandten ersten und zweiten Grades von ATD-Patientinnen ein geringeres Risiko für eine Hyperthyreose, wenn sie Östrogene einnahmen.
Auf chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) scheinen sich KOK eher negativ auszuwirken. In verschiedenen Studien stieg bei Pillenanwenderinnen das Risiko sowohl für Colitis ulcerosa als auch für Morbus Crohn; teilweise zeigte sich bei längerer Einnahme ein stärkerer Effekt.
Als ideale Kontrazeptionsmethode für die meisten Patientinnen mit Autoimmunerkrankungen werden IUDs angesehen: die Kupferspirale, weil sie komplett ohne Hormone auskommt, und das Levonorgestrel- IUD, weil das Gestagen seine Wirkung praktisch ausschließlich im Reproduktionstrakt entfaltet. Allerdings gründen sich die potenziellen Vorteile von IUDs bei Autoimmunerkrankungen in erster Linie auf theoretische Überlegungen – gesicherte Informationen liegen bisher kaum vor. CW
Quelle: Benagiano G et al.: Contraception in autoimmune diseases. Best Pract Res Clin Obstet Gynaecol 2019; doi: 10.1016/j. bpobgyn.2019.05.003
ICD-Codes: Z30.-

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