Bei AIDS keine Rarität mehr

Gyn-Depesche 4/2001

ZNS-infiltrierende Leiomyosarkome jetzt häufiger

Leiomyosarkome sind bösartige Geschwülste aus glatten Muskelfasern, die primär in Uterus, Gastrointestinaltrakt oder den Blutgefäßen gebildet werden. Sie metastasieren nur sehr selten. Eine ZNS-Infiltration, früher eine Rarität, wird heute - im Zusammenhang mit HIV-Infektionen - häufiger gesehen.

Eine ZNS-Infiltration von Leiomyosarkomen findet sich gehäuft bei immunsupprimierten Patienten, die HIV-positiv sind oder eine Organtransplantation hinter sich haben. Eine Beteiligung von Epstein-Barr-Viren (EBV) ist häufig nachzuweisen. Zwei neue Fallberichte unterstützen diese Beobachtung: Bei einem fünfjährigen Mädchen und einer 35-jährigen Frau wurde jeweils einige Jahre nach Auftreten der ersten AIDS-Symptome ein Leiomyosarkom des ZNS, assoziiert mit einer EBV-Infektion, diagnostiziert. Die Patientinnen hatten sich einer Operation unterzogen; das Gewebe wurde anschließend histologisch analysiert. Beide Fälle bereichern die Statistik von Leiomyosarkom-Fällen mit ZNS-Beteiligung. Deren Inzidenz nimmt bei AIDS-Patienten - Erwachsenen wie Kindern - rasch zu; meist werden sie von einer EBV-Infektion begleitet. Allerdings ist die absolute Zahl der Patienten immer noch zu klein, um spezifische Therapieempfehlungen geben zu können. So greift man heute auf die Standard-Operation in Form einer totalen Resektion des Tumors zurück. Eine Strahlentherapie sollte sich anschließen, soweit dies der allgemeine Zustand der Patienten zulässt. Als palliativ wirksame Medikamente dienen z. B. Doxorubicin, Vincristin sowie Cyclophosphamid und/oder Interferon alfa. (bk)

Quelle: Ritter, AM: Central nervous system leiomyosarcoma in patients with acquired immunodeficiency syndrome, Zeitschrift: JOURNAL OF NEUROSURGERY, Ausgabe 92 (2000), Seiten: 688-692
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