Gyn-Depesche 6/2017

Frühgeborenen-Retinopathie

Geringstes Risiko nach Blasensprung

Über die pränatalen Risikofaktoren einer Frühgeborenen-Retinopathie ist wenig bekannt. US-Wissenschaftler haben retrospektiv untersucht, in wiefern verschiedene Ursachen der Frühgeburtlichkeit die Erkrankungswahrscheinlichkeit beeinflussen.

Es wurden die Daten des Retinopathie-Registers der Abteilung für Ophthalmologie an der University of Colorado ausgewertet. Dieses enthält Informationen zum Retinopathie- Screening von Risikopatienten (Geburtsgewicht ≤1500g oder Frühgeburt ≤30 SSW bzw. klinische Instabilität bei Geburtsgewicht 1500 bis 2000g oder Gestationsalter >30 SSW). 827 zwischen 2008 und 2015 geborene Kinder gingen in die Analyse ein. 215 Frühgeborene (26%) waren in Folge eines vorzeitigen Blasensprungs zur Welt gekommen, in 281 Fällen (34%) hatte eine spontane Wehentätigkeit eingesetzt und in 331 Fällen (40%) hatte aufgrund fetaler oder maternaler Komplikationen eine Indikation für die Entbindung vorgelegen.
Insgesamt wurde bei 9% der Kinder eine Retinopathie Typ 1 oder 2 diagnostiziert: In der Kohorte mit spontanem Wehenbeginn waren 13% der Kinder und bei medizinischer Entbindungsindikation 8% der Kinder betroffen. Nach einem vorzeitigen Blasensprung entwickelten nur knapp 5% der Frühgeborenen eine Retinopathie. Das höchste Risiko bestand bei einer Blasensprungdauer ≤24 Stunden. Unabhängige Risikofaktoren für eine Retinopathie waren frühes Gestationsalter, ein geringes Geburtsgewicht sowie Multiparität. Bei Berücksichtigung dieser Einflussvariablen errechnete sich für den spontanen Wehenbeginn bzw. die Frühgeburt aus medizinischer Indikation eine Risikozunahme um das 6,1- bzw. 5,5-fache.
Die Autoren schlussfolgern: Die geringere Retinopathie-Inzidenz nach lang andauerndem vorzeitigem Blasensprung ist möglicherweise auf protektive Effekte der verabreichten Kortikoide und Antibiotika zurückzuführen. LO

Quelle:

Lynch AM et al.: The relationship of the subtypes ... Am J Obstet Gynecol 2017; 217: 354.e1-354.e8



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