Gyn-Depesche 6/2017

Chronische Beckenschmerzen

Kann Gabapentin helfen?

Chronische Beckenschmerzen sind ein häufiges Problem von Frauen. Die Ursache bleibt oft unklar; eine kurative Therapie ist dann nicht möglich. Man kann aber die Lebensqualität trotz Schmerzen bessern. Eine Option sind Neuromodulatoren.

In 40 bis 55% der Fälle von Beckenschmerzen bleibt die Ursachensuche erfolglos. Dann wird oft eine Kombination aus pharmakologischen Interventionen, Physiotherapie und kognitiver Verhaltenstherapie empfohlen.

Zu den pharmakologischen Optionen rechnet eine Gruppe britischer Autoren den Einsatz des Neuromodulators Gabapentin, auch wenn die Substanz nur für periphere neuropathische Schmerzen zugelassen ist. Die Suche nach klinischen Studien zu einer solchen Therapie führte zu einem kontrollierten Trial, das Gabapentin mit Amitriptylin bei chronischen Beckenschmerzen aufgrund verschiedener Ursachen verglich. Außerdem gibt es eine Pilotstudie der Autoren, die Gabapentin gegen Plazebo testete. Beide Vergleiche sprachen für einen Nutzen von Gabapentin, aber die statistische Power reichte nicht, um daraus Empfehlungen für die Praxis abzuleiten.

Ein britischer Kommentator verweist auf die Nebenwirkungen von Gabapentin. Die Substanz birgt ein Risiko für Suizidalität. Man muss unter Gabapentin auf Veränderungen der Stimmung oder des Verhaltens achten. In der Schwangerschaft sollte man Gabapentin nicht einsetzen. Vorsicht ist auch bei Niereninsuffizienz geboten. Generell sollte man die Therapie auf die niedrigst mögliche Dosis heruntertitrieren. Die Behandlung sollte in ein multidisziplinäres Konzept eingebettet sein. WE


Quelle:

Horne AW et al.: Is gabapentin effective for women with unexplained chronic pelvic pain? BMJ 2017; 358:
j3520;
Duffy JMN: How should we manage women with unexplained chronic pelvic pain in light of uncertainty about the effectiveness of gabapentin? BMJ 2017; 358:j3624



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