Onkologie

Gyn-Depesche 1/2021

Auf dem Weg zu personalisierten Therapien

Wie auch andere Kongresse fand das San Antonio Breast Cancer Symposium 2020 aufgrund der Pandemie im Dezember 2020 virtuell statt. Trotzdem wurden viele neue klinische Studiendaten sowie wissenschaftliche Ergebnisse und innovative Herangehensweisen zum Thema Brustkrebs präsentiert und rege diskutiert.
Therapien zielgerichtet einsetzen Obwohl die Studie noch andauert, wurden erste Resultate der RxPONDER, einer randomisierten Phase-III-Studie zur adjuvanten Hormontherapie (HT) bei Patientinnen mit Hormonrezeptor- positivem(HR+)/Human-epidermal-Growth-Factor- Receptor-2(HER2)-negativem Brustkrebs mit ein bis drei befallenen Lymphknoten (LN) und einem Recurrence Score (RS) < 25, präsentiert. Die Daten zeigen, dass es bei postmenopausalen Frauen mit einem RS < 25 und ein bis drei positiven LN möglich ist, auf eine alleinige HT zu deeskalieren. Prämenopausale Frauen hingegen profitieren in einem solchen Fall von einer chemoendokrinen Kombination.
Die Zehnjahres-Follow-up-Daten der PRIME-II-Studie zeigten, dass das Weglassen einer Radiotherapie (RT) nach einer brusterhaltenden Operation bei Frauen ≥ 65 Jahre mit einem T1-pN0-Hormonrezeptor-positivem Mammakarzinom in nur 9,8 % der Fälle zu einem ipsilateralen Brusttumorrezidiv führte. Zwar konnte diese Rate durch RT signifikant reduziert werden, die absolute Verringerung fiel jedoch sehr moderat aus. Zudem waren in den sekundären Endpunkten in Bezug auf Fernmetastasen, kontralateralen Brustkrebs oder das Gesamtüberleben keine Unterschiede zu sehen sowie beim Auftreten von lokalen Rezidiven waren geringe Unterschiede zu beobachten.
In einer weiteren Studie wurde untersucht, ob es bei metastasierendem Brustkrebs anhand zirkulierender Tumorzellen (CTC) möglich ist, Aussagen über den Erfolg einer Behandlung und zur Prognose des Krankheitsverlaufs zu treffen. Die Analyse ergab, dass von den 2.961 vor Beginn der Therapie CTC-positiven Patientinnen nach Therapiestart 37,3 % CTC-negativ (positiv/negativ) wurden, während von den 1.118 vor Beginn der Behandlung CTC-negativen Patientinnen nach Therapiestart 27,3 % CTC-positiv wurden (negativ/ positiv). Das mediane Gesamtüberleben mit 47 Monaten war dabei am längsten für die Patientinnen, die vor und nach Therapiebeginn CTC-negativ (negativ/negativ) waren, gefolgt von den positiv/negativen mit 32,2 Monaten sowie den negativ/positiven und denen, die keine CTC-Negativität (positiv/positiv) erreichten (17,87 Monate). So war auch das Risiko zu sterben 215 % höher bei Positiv/positiv-Patientinnen im Vergleich zu den Negativ/negativ-Patientinnen. Ähnliche Trends in der CTC-Dynamik konnten auch beim Vergleich der unterschiedlichen Brustkrebssubtypen beobachtet werden, wobei diese auch mit dem Gesamtüberleben bei allen Subtypen assoziiert war. Somit wäre es möglich, anhand der CTC-Dynamik Aussagen über den Verlauf der Erkrankung treffen zu können.
In einer Studie der Columbia University, New York, wurde gezeigt, dass für Frauen, die sich einer Mastektomie und Brustrekonstruktion (M+R) unterzogen hatten, ein Risiko besteht, in der Folge medikamentenabhängig zu werden. So wurden Frauen, die vor einer M+R keine Opioide (n = 26.264), Benzodiazepine (n = 29.163) oder Nonbenzodiazepine (n = 34.388) eingenommen hatten, nach dem Eingriff entsprechend in 12,1 %, 5,3 % bzw. 2,6 % der Fälle zu chronischen Konsumenten dieser Substanzen.
 
Vorsorgeuntersuchungen und Überdiagnose
Im Zusammenhang mit der Brustkrebsvorsorge wies Dr. Philippe Autier, Vizepräsident der Bevölkerungsforschung am International Prevention Research Institute (iPRI) in Lyon, darauf hin, dass das Brustkrebsscreening verbessert werden muss, um dadurch verursachte Schäden zu minimieren. So kam es mit der Einführung von Programmen zum Brustkrebsscreening in vielen Ländern zur Überdiagnose von Brustkrebs, indem unter anderem auch langsam wachsende Tumore diagnostiziert wurden, die wohl nie lebensbedrohlich enden würden. Eine Studie von 2020 belegt, dass 40 bis 50 % der so detektierten Brustkrebsfälle Überdiagnosen darstellten, was eine Gefahr für Übertherapien und unnötige Mastektomien birgt. Autier riet in diesem Zusammenhang, das Brustkrebsscreening im Alter von 50 Jahren zu starten; jährliches Screening sei zu vermeiden; perioperative MRTUntersuchungen und MRT-Untersuchungen der kontralateralen Brust seien zu umgehen; nachzugehen sei der Frage, ob die Brustdichte einen Einfluss auf die Qualität der Untersuchung haben könnte; bei neuen Screeningtechnologien sei nicht mehr die Krebsdetektionsrate als Hauptendpunkt zu definieren.
 
Die bahnbrechenden Medikamente
Auf einem Workshop der U.S. Food and Drug Administration (FDA) wurden drei bahnbrechende Medikamente vorgestellt, zu denen auch zwei Antikörper-Wirkstoff-Konjugate zählen.
Sacituzumab-Govitecan, ein Arzneistoff zur parenteralen Behandlung von Brustkrebs, bestehend aus dem humanisierten monoklonalen Antikörper hRS7 (Sacituzumab), der an das Trophoblasten-Zelloberflächen-Antigen-2 bindet, und dem daran gekoppelten Wirkstoff SN-38 (7-Ethyl-10-Hydroxycamptothecin), der als Topoisomerase-Inhibitor wirkt. Es ist das erste Antikörper-Wirkstoff-Konjugat, welches für triplenegativen Brustkrebs zugelassen ist. Erste klinische Daten belegen eine allgemeine Ansprechrate von 33 % und eine Dauer des Ansprechens von fast acht Monaten. Aufgrund möglicher Nebenwirkungen, wie starke Neutropenien und Durchfälle, besteht für Sacituzumab-Govitecan eine Black-Box-Warnung.
Trastuzumab-Deruxtecan (T-DXd), zugelassen für metastasierenden HER2-positiven Brustkrebs, besteht aus einem gegen den epidermalen Wachstumsfaktor HER2 gerichteten monoklonalen Antikörper (Trastuzumab) und dem Inhibitor Exatecan, der über einen Linker kovalent an eine Topoisomerase gebunden ist. In ersten klinischen Studien mit 234 Patientinnen zeigte sich eine objektive Ansprechrate von 60 % und eine mediane Ansprechdauer von 14,8 Monaten. Da jedoch bei 9 % der Patientinnen eine interstitielle Lungenerkrankung auftrat, wovon 2,6 % verstarben, besteht auch hier eine Black- Box-Warnung.
Als erstes Medikament zur Behandlung von HER2-positivem Brustkrebs mit Gehirnmetastasen wurde Tucatinib, ein antineoplastischer HER2-Inhibitor aus der Wirkstoffgruppe der Tyrosinkinasehemmer (TKI), zugelassen. Evaluiert wurde dieser TKI in Australien, Kanada, Singapur sowie in der Schweiz und in den USA. Er führte zu einem längeren progressionsfreien Überleben von 2,2 Monaten im Vergleich zu Placebo. Dabei wies fast die Hälfte der Patientinnen dieser HER- 2CLIMB-Studie aktive oder stabile Hirnmetastasen auf. GH
ICD-Codes: C50.9
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