Männliche Refertilisierung | Gyn-Depesche 2/2018

Beide Partner sollten beraten werden

Eine Vasektomie gilt als definitive Kontrazeptionsmethode für den Mann. Aber etwa 20% aller vasektomierten Männer äußern später dennoch den Wunsch nach einem Kind. Dann ist die operative Refertilisierung („Sterilisationsumkehr“) eine Option, vor deren Durchführung allerdings sowohl der Mann als auch seine Partnerin gut beraten werden sollten.

In den USA werden zwischen 2 und 6% aller Vasektomien rückgängig gemacht. Der mikrochirurgische Eingriff kann kompliziert sein, weshalb man gut daran tut, präoperativ abzuschätzen, wie groß die Erfolgschancen für eine spätere Konzeption sind.
Die ASRM (American Society of Reproductive Medicine) empfiehlt, dass sich Frauen über 35, deren Partner eine Refertilisierungs- Operation planen, einer ausgiebigen Fertilitätsuntersuchung unterziehen sollten. In einer retrospektiven Untersuchung war ein Frauen-Alter von über 40 nämlich ein unabhängiger Prädiktor für niedrige Konzeptionsraten. Jede Nullipara über 35 sollte zu einem Fertilitäts-Endokrinologen geschickt werden (z. B. zur Bestimmung der ovariellen Reserve). Aber auch für die konzeptionswilligen Männer ist eine präoperative Evaluation wichtig. Gab es früher schon Probleme mit dem Initiieren einer Schwangerschaft, werden diese Probleme wohl auch nach der Sterilisationsumkehr bestehen. Operationen wie Herniotomien in der Anamnese können die Erfolgschancen ebenfalls beeinflussen. Ein weiterer Faktor ist die Testosteron-Supplementation (TST) – sie ist eine bekannte Ursache für eine verschlechterte Spermiogenese. Männer mit Z. n. TST kann eine präoperative Hodenaspiration empfohlen werden um festzustellen, ob die Spermiogenese wieder einsetzt.
Ist der Entschluss zur OP gefallen, sollte man darauf hinweisen, dass auch eine intraoperative Spermienextraktion und folgende Kryokonservierung eine Option darstellt, falls die Azoospermie nach der OP persistiert. CB

Quelle:

Kirby EW et al.: Vasectomy reversal: decision making and technical innovations. Transl Androl Urol 2017; 6: 753-60

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