Gynäkologin bedient Ultraschall-Gerät.

Endometriumkarzinom-Risiko

Gyn-Depesche 6/2022

Endometriumdicke: Welche Schwellenwerte geeignet sind

Das Endometriumkarzinom-Risiko bei asymptomatischen postmenopausalen Frauen lässt sich anhand der ultrasonografischen Endometriumdicke (ET) vorhersagen. Eine Metaanalyse untersuchte nun die diagnostische Testgenauigkeit für verschiedene Schwellenwerte.
Zur Bewertung des Endometriumkarzinom- Risikos bei postmenopausalen Frauen ist zunächst die Beurteilung der ET mit transvaginalem Ultraschall empfohlen. Über den kritischen Schwellenwert, der einen auffälligen Befund markiert, besteht allerdings derzeit keine Einigkeit. Ziel einer italienischen Studie war es daher, die diagnostische Testgenauigkeit verschiedener ET-Schwellenwerte zu ermitteln, die als Richtschnur für die anschließende histopathologische Beurteilung des Endometriums verwendet werden, um das Risiko für ein Endometriumkarzinom (EC) und eine atypischen Endometriumhyperplasie (AEH) bei postmenopausalen Frauen ohne vaginale Blutungen bewerten zu können. 18 Studien mit insgesamt 10.334 Frauen wurden in die Metaanalyse aufgenommen.
Die Ergebnisse: Bei einer ET von mindestens 3,0 mm war das Risiko eines ECs oder einer AEH im Vergleich zu Frauen unterhalb dieses Schwellenwerts um das Dreifache erhöht (RR 3,77; P = 74 %). Ähnliche Risikograde zeigten sich für Schwellenwerte zwischen 3,0 und 5,9 mm (RR 5,08; P = 0 %), 6,0 und 9,9 mm (RR 4,34; P = 0 %), 10,0 und 13,9 mm (RR 4,11; P = 86 %) und ≥ 14,0 mm (RR 2,53; P = 78 %), wobei es keinen signifikanten Unterschied zwischen den Untergruppen gab (P = 0,885). Was die diagnostische Genauigkeit betrifft, so nahm die gepoolte Sensitivität von Schwellenwerten unter 5,9 mm (RR 0,81) und über 14,0 mm (RR 0,28) ab. Außerdem stieg die Spezifität von 0,70 für eine ET zwischen 3,0 und 5,9 mm auf 0,86, wenn die ET 14,0 mm betrug. Für die Schwellenwerte 3,0 bis 5,9 mm und 10,0 bis 13,9 mm wurden die höchsten diagnostischen OR von 10 und 11 ermittelt.
Das Fazit der Wissenschaftler: innen: Ein ultrasonografischer ET-Schwellenwert zwischen 3,0 und 5,9 mm zeigt die höchste Sensitivität, während ein Schwellenwert von 14,0 mm die höchste Spezifität aufweist. Bei einem ETSchwellenwert von 10,0 bis 13,9 mm ist hingegen die Wahrscheinlichkeit höher, ein EC oder eine AEH zu übersehen. Die Verwendung eines niedrigeren Schwellenwerts (3,0–5,9 mm) bei der Ultraschalluntersuchung des Endometriums maximiert die diagnostische Genauigkeit und sollte für die Empfehlung weiterer Endometrium-Untersuchungen bei asymptomatischen postmenopausalen Frauen in Betracht gezogen werden, so die Forschenden. AZ
Quelle: Vitale SG et al.: Risk of endometrial cancer in asymptomatic postmenopausal women in relation to ultrasonographic endometrial thickness: systematic review and diagnostic test accuracy meta-analysis. Am J Obstet Gynecol. 2022 Aug 4; S0002-9378(22)00613-5
ICD-Codes: C54.1
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