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Kasuistik

Gyn-Depesche 5/2021

Hypokaliämie täuscht Myokardischämie vor

Eine ausgeprägte Hyperemesis gravidarum geht häufig mit Elektrolytstörungen einher. Bei einer Hypokaliämie drohen Funktionsstörungen der Herzmuskelzellen, die sowohl klinisch als auch im EKG einer Myokardischämie ähneln können.
Dr. Nisha Menon von der Abteilung für Kardiologie am Gold Coast University Hospital in Southport, Australien, berichtet den Fall einer Schwangeren, die sich mit zwölf Gestationswochen aufgrund starker Thoraxschmerzen und Palpitationen notfallmäßig vorstellte. In den vorangegangenen Tagen hatte sie verstärkt unter Schwangerschaftsübelkeit und Erbrechen gelitten. Im Aufnahme-EKG zeigten sich in verschiedenen Ableitungen ST-Streckensenkungen, in aVR eine ST-Hebung sowie eine insgesamt verlängerte korrigierte QT-Zeit. Laborchemisch fielen ein erhöhtes Serum-Troponin I sowie eine ausgeprägte Hypokaliämie auf. Ein Echokardiogramm sowie die Lungenemboliediagnostik waren unauffällig. Nach intravenöser Kaliumsubstitution normalisierte sich der EKG-Befund. In dem geschilderten Fall war nicht ein ischämisches Ereignis, sondern der Kaliummangel die Ursache der klinischen und EKG-Veränderungen, erläutert die Autorin. Auch das erhöhte Troponin I führt sie auf die Hyperemesis zurück und warnt: Wird die Elektrolytentgleisung zu spät erkannt und behandelt, drohen tödliche Arrhythmien. Außer dem akuten Myokardinfarkt müssen bei einer entsprechenden Konstellation differenzialdiagnostisch verschiedene nicht ischämische Ursachen der ST-Senkung bedacht werden: Die links- oder rechtsventrikuläre Hypertrophie, die Digoxintherapie, der Mitralklappenprolaps sowie ein erhöhter Hirndruck. LO
Quelle: Menon NN: A mimic of myocardial ischemia in a woman with hyperemesis gravidarum. JAMA Intern Med 2021; 181(9): 1229-30
ICD-Codes: E87.6 , I25.9
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