| Gyn-Depesche 1/2006

Idiopathische thrombozytopenische Purpura spät entdeckt

Eine Thrombozytopenie tritt bei bis zu 10% aller Schwangerschaften auf. Meist handelt es sich um eine idiopathische thrombozytopenische Pur­pura (ITP). Aus Miami kommt ein Fallbericht von einer jungen Frau, bei der die ITP erst im Rahmen eines Notfall-Kaiserschnittes diag­nostiziert wurde.

Bei der 35-jährigen Frau wurde in der 39. SSW notfallmäßig ein Kaiserschnitt bei drohender Plazenta-Ablösung durchgeführt, und zwar in Vollnarkose. Vier Stunden nach dem komplikationslosen Kaiserschnitt musste erneut operiert werden – wegen persistierender vaginaler Blutungen mit einem Blutverlust von über zwei Litern.

Vor dem Kaiserschnitt hatte man bei der Patientin noch Blut abgenommen. Die nach dem Eingriff mitgeteilten Werte zeigten eine schwere Thrombozytopenie. Das Blutbild hatte bei dem Notfall-Kaiserschnitt noch nicht vorgelegen.

Die Patientin erhielt Erythrozyten- und Thrombozytenkonzentrate. Ein HELLP-Syndrom konnte ausgeschlossen werden. Sie wurde mit Prednison behandelt. Unter dieser Therapie stiegen die Thrombozytenwerte deutlich an. Die Mutter und das Baby konnten nach fünf Tagen entlassen werden.

Dieser Fallbericht zeigt, wie wichtig eine präoperative Abklärung vor jeder Narkose und jedem operativen Eingriff ist. Auch vor einem Notfall­eingriff sollte wenigstens ein Blutbild vorliegen, das innerhalb kürzester Zeit angefertigt werden kann. Dann hätte man in diesem Fall auf eine Vollnarkose verzichtet und rechtzeitig Blutprodukte vorrätig gehalten und sofort mit der Kortikoid-Behandlung begonnen. (MO)

Quelle: Ranasinghe, JS: An unusual presentation of idiopathic thrombocytopenic purpura in pregnancy, Zeitschrift: JOURNAL OF CLINICAL ANESTHESIA, Ausgabe 17 (2005), Seiten: 66-68

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