Hochdosierte Folsäure-Supplementierung | Gyn-Depesche 5/2018

Kein Effekt auf Präeklampsie

Präeklampsie ist ein häufiger Grund für vorzeitige Entbindungen mit all ihren Folgen. Epidemiologische Studien sprechen für einen protektiven Effekt einer Supplementierung von Folsäure. Auch eine Erhöhung des Präeklampsie-Risikos durch Folsäure-Antagonisten wurde bereits belegt.

Weltweit wurde die Folsäure-Supplementierung präkonzeptionell und im ersten Trimester vor allem wegen ihres Nutzens zur Verhinderung von Neuralrohrdefekten beim Fötus propagiert. Empfohlen werden Dosen von 4 bis 5 mg/d bis zur zwölften SSW (das Neuralrohr schließt sich im ersten Trimester) bei hohem Risiko für den Fötus und 0,4 bis 1 mg/d bei niedrigem Risiko. Die Eklampsie entwickelt sich allerdings zweiphasig im ersten und im dritten Trimester. Hohe Folsäure-Gaben in der Frühschwangerschaft (vor allem zwischen SSW 8 und 16), während des stärksten Wachstums der Plazenta, sollten den besten Schutz gegen Präeklampsie gewährleisten.
Bei Frauen mit hohem Präeklampsie-Risiko scheint der Nutzen einer Folsäure-Prävention dosisabhängig zu sein. Zur Hochdosis-Prävention gab es bisher nur Beobachtungsstudien. Eine Arbeitsgruppe initiierte deshalb eine Doppelblindstudie (FACT), in die 2464 Frauen eingeschlossen wurden. Sie erhielten 4 mg/d Folsäure oder Plazebo ab Randomisierung (SSW 8 bis 16) bis zur Entbindung. Alle konnten Vitamintabletten (mit bis zu 1,1 mg Folsäure) weiterhin nehmen. Zu einer Präeklampsie kam es in der Verumgruppe in 14,8%, in der Plazebogruppe in 13,5%. Der Unterschied war nicht signifikant. Auch bei unerwünschten Ereignissen irgendwelcher Art gab es keine nennenswerten Unterschiede. Die hochdosierte Folsäure-Gabe über das erste Trimester hinaus ist inzwischen weit verbreitet. Dafür kann nach diesen Ergebnissen derzeit keine evidenzbasierte Empfehlung gegeben werden. WE

Quelle:

Wen SW et al.: Effect of high dose folic acis supplementation in ... BMJ 2018; 362: k3478

ICD-Codes: O14.9

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