Vestibulodynie | Gyn-Depesche 2/2018

Keine Schmerzlinderung durch Hirnstimulation

Bei einigen chronischen Schmerz-Syndromen hat sich die transkranielle Gleichstromstimulation als effektiv erwiesen. Ob dies auch für die provozierte Vestibulodynie gilt, untersuchten kanadische Mediziner.

Im Doppelblind-Design erhielten 40 Patientinnen mit provozierter Vestibulodynie randomisiert zehn Anwendungen einer aktiven transkraniellen Gleichstromstimulation (tDCS) oder einer entsprechenden Scheinbehandlung. Zu diesem Zweck wurde die Anode über dem motorischen Kortex platziert, die Kathode über dem kontralateralen supraorbitalen Bereich. Die Intensität der aktiven tDCS betrug 2 mA. Die Sitzungen dauerten jeweils 20 Minuten täglich und erstreckten sich über einen Zeitraum von 14 Tagen.
Zwei Wochen nach Ende der Behandlung empfanden die Frauen in beiden Gruppen deutlich weniger Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Die anhand einer numerischen Bewertungsskala quantifizierte Dyspareunie sank nach der aktiven Therapie von 6,8 auf 5,6 Punkte. Nach der Schein-Stimulation ging der Schmerz-Score sogar noch etwas stärker, nämlich um 1,8 Punkte, zurück. Jeweils etwa zwei Drittel der Patientinnen berichteten von einer mindestens leichten Verbesserung. Auch bei der Sexualfunktion und der psychischen Belastung fanden sich keine Unterschiede zwischen den Gruppen. Beim Follow-up nach drei Monaten zeigten sich ähnliche Verhältnisse.
Offensichtlich bringt die tDCS bei der provozierten Vestibulodynie also – anders als bei anderen chronischen Schmerz-Syndromen wie beispielsweise der Fibromyalgie – keine über einen Plazeboeffekt hinausgehende Schmerzreduktion. CW

Quelle:

Morin A et al.: Efficacy of transcranial direct-current stimulation in women with provoked vestibulodynia. Am J Obstet Gynecol 2017; 216: 584.e1-11

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