Kongress der Deutschen Gesellschaft für Senologie | Gyn-Depesche 4/2015

Mamma-Ca-Vorsorge – Jolie-Effekt – Elastographie – LK-Transplantation

Die 35. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie in Leipzig stand unter dem Motto „Interdisziplinarität – im Alltag leben“. Genau in diesem Sinne beschäftigte sich die Sitzung des Berufsverbandes der Frauenärzte mit der Zusammenarbeit zwischen Klinik und Praxis in Diagnose und Therapie des Mammakarzinoms.

Zu den wesentlichen „senologischen“ Aufgaben des in der Praxis tätigen Frauenarztes gehört die Früherkennung von Mammatumoren, wie Dr. Markus Haist, niedergelassener Gynäkologe aus Pforzheim, erklärte. Für das Vorgehen empfahl er einen sehr gut praktikablen Algorithmus, der letztes Jahr publiziert wurde.
Frauen ohne besonderes Risiko sollten am Mammographie-Screening ab 50 Jahren alle zwei Jahre teilnehmen. Frauen, die zwischen 40 und 49 Jahre alt sind, kann man als Wahlleistung eine Sonographie anbieten, bei großen fettgewebsreichen Brüsten sollte man bevorzugt an eine Mammographie denken. Risikopatientinnen (positive Familienanamnese, hohe Gewebsdichte) sollten ab einem Alter von 35 Jahren eine jährliche Sonographie erhalten. Das Mammographie-Screening beginnt auch für sie erst mit 50 Jahren. Bei extrem inhomogener Dichte empfiehlt sich zusätzlich ein MRT alle zwei Jahre. Die Hochrisikopatientin (z. B. mit BRCA-Mutation) sollte ab einem Alter von 25 Jahren halbjährlich eine Mammasonographie und jährlich ein MRT bekommen.

Wie Haist hervorhob, sollte jeder Frauenarzt einen Verdacht auf Brustkrebs soweit wie möglich abklären, bevor er die Patientin einem Brustzentrum zur weiteren Therapieplanung vorstellt. In Baden-Württemberg führen aktuell 61% der Fachärzte in der Praxis eine Mammasonographie durch. Etwa 10% machen Stanzbiopsien.

Neu in der Klinik: Elastographie

Im Brustzentrum kommt zur weiteren Abklärung am häufigsten die Magnetresonanztomographie zum Einsatz, wenn sono- und/oder mammographische Befunde nicht eindeutig abgrenzbar sind. Relativ neu im Spektrum weiterführender diagnostischer Verfahren ist die Shear- Wave-Elastographie. Die Methode ist nicht zur Früherkennung geeignet, steigert aber die Spezifität des Ultraschalls und verbessert die Genauigkeit der Zuordnung in die BIRADS-Kategorie. Nicht selten führt die Sonoelastographie im Vergleich zur Sonographie allein zu einem Up- oder Downgrading. Die Elastographie wird künftig als Zusatzkriterium in der Mammasonographie empfohlen und wurde bereits in die BIRADSKlassifikation aufgenommen. „Wir setzen die Elastographie im Moment im Rahmen von Studien ein, um die Evidenzbasis zu verbreitern und um z. B. zu klären, ob die Methode auch im niedergelassenen Bereich sinnvoll ist“, so PD Dr. Sarah Schott, Heidelberg.

Prophylaktische kontralaterale Mastektomie: ja oder nein?

Bei etwa 20 bis 25% der Brustkrebsfälle wird eine familiäre Häufung beobachtet. Hochrisiko- Mutationen von BRCA-1 und -2 liegen nur in fünf bis zehn Prozent der Fälle vor. Nach der weltweit in den Medien beachteten prophylaktischen Amputation beider Brüste, die die US-amerikanische Schauspielerin Angelina Jolie wegen ihres genetischen Hochrisikos an sich vornehmen ließ, fragen auch hierzulande immer mehr Mammakarzinom-Patientinnen in den Brustzentren danach, ob es nicht sinnvoll ist, bei ihnen die kontralaterale Brust gleich mitzuentfernen.

Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens eines kontralateralen Brustkrebs in den nächsten 25 Jahren liegt bei Mammakarzinom-Patientinnen mit einer BRCA-1-Mutation, die jünger als 40 Jahre sind, immerhin bei 55%. Von den Frauen mit einer BRCA-2-Mutation werden 38% und von Frauen mit hereditärer Häufung aber ohne Mutationsnachweis 28% auch an der anderen Brust erkranken. Bei Frauen über 50 Jahre mit den gleichen genetischen Konstellationen halbieren sich diese Risiken in etwa. „Wir empfehlen jungen Frauen unter 40 Jahren mit BRCA-Mutationen tatsächlich die kontralaterale Mastektomie“, so Schott. Bei älteren Frauen bietet eine intensive Nachsorge z. B. mit einer zusätzlichen MRT-Untersuchung einmal jährlich eine geeignete Alternative.

Autogene Lymphknotentransplantation nach Axilla-Dissektion

Manche Frauen haben nach einer Axilla-Dissektion jahrelang Beschwerden durch ein Lymphödem. Für Frauen, bei denen konservative Möglichkeiten ausgeschöpft sind und innerhalb von zwölf Monaten keinen ausreichenden Effekt gebracht haben, stehen heute mikrochirurgische lymphorekonstruktive Techniken zur Verfügung, die den Abstrom wiederherstellen. Dazu gehören die lymphovenöse Ableitung und der lympholymphatische Bypass. Die neueste Methode stellt die mikrovaskuläre Transplantation von Lymphknoten dar, die gleichzeitig mit einer sekundären Brustrekonstruktion durchgeführt werden kann. Ein Lymphknotenpaket aus dem Bauchraum wird dabei in die Axilla verpflanzt und mikrochirurgisch an das örtliche Lymphsystem angeschlossen. AB

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