Frauen unter Raketenbeschuss | Gyn-Depesche 2/2018

Mehr Schwangerschafts-Komplikationen?

Mütterlicher Stress in der Schwangerschaft kann sich negativ auf den Schwangerschaftsverlauf auswirken. Kriegerische Handlungen sind zweifelsohne ein besonders großer Stressor. Frühere Studien konnten einen klaren Zusammenhang zwischen Kriegshandlungen in einem Land und ungünstigen Schwangerschaftsverläufen feststellen. Eine aktuelle Studie aus Israel fand nun aber keinen Zusammenhang. Warum?

Im Rahmen der militärischen Operation „Protective Edge“ war die israelische Bevölkerung im Jahr 2014 51 Tage lang einem permanenten Raketenbeschuss ausgesetzt. Ärzte aus Holon und Tel Aviv analysierten nun die Häufigkeit von negativen Schwangerschaftsverläufen während dieser Militäroperation.
Schwangerschafts-Komplikationen traten im Vergleich zu Friedenszeiten gleich häufig auf. Unter Raketenbeschuss war allerdings die Rate an den Vakuumextraktionen signifikant niedriger (4,1 vs. 5%). Außerdem wurden signifikant mehr männliche Kinder von Frauen mit kriegsbedingtem Stress geboren (49,27 vs. 45,96%). Weshalb konnte in Israel nun kein Zusammenhang gezeigt werden (frühere Studien aus z. B. Belgrad und Libyen waren diesbezüglich positiv)?
Die Autoren aus Israel meinen, zum einen sei ihre Studie gefeit von Verzerrungen, da jeweils die selbe Region zur selben Jahreszeit verglichen wurde. Zum anderen könnten die (drohenden) Raketeneinschläge schlicht zu geringe Stressoren gewesen sein, oder die israelischen Frauen seien vielleicht einfach „psychologisch widerstandfähiger“, so die Autoren. Es ist wohl alles multifaktoriell ... CB

Quelle:

Gluck O et al.: Was the military operation „protective edge“ a risk factor for pregnancy complications? Rambam Maimonides Med J 2017; 8: e0027

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