Kognitive Einbußen | Gyn-Depesche 3/2018

Nur noch Kind im Kopf?

Viele Frauen klagen in der Schwangerschaft über Vergesslichkeit und Konzentrationsschwierigkeiten. Dass das Phänomen des „Baby brain“ tatsächlich empirisch belegbar ist, zeigt eine Metaanalyse australischer Wissenschaftlerinnen.
Den quantitativen Zusammenhang zwischen Schwangerschaft und Veränderungen der kognitiven Leistungsfähigkeit untersuchten 20 Studien mit insgesamt 709 schwangeren und 521 nicht schwangeren Frauen.
Das Ergebnis: Die allgemeine kognitive Funktion war bei Schwangeren signifikant schlechter. Subgruppenanalysen ergaben, dass die Veränderungen schon in der Frühschwangerschaft begannen. Statistisch signifikant waren sie jedoch erst im dritten Trimenon. Betroffen waren insbesondere die Gesamtintelligenz, die Gedächtnisleistung und die exekutiven Funktionen.
Die Autoren der Metaanalyse sind überzeugt, dass das Nachlassen der Merkfähigkeit und der Handlungskompetenz auch klinisch relevant ist. Gestützt werden ihre Beobachtungen durch die kürzlich veröffentlichten Ergebnisse einer Neuroimaging-Studie: Diese belegte in der Schwangerschaft einen signifikanten Volumenrückgang der grauen Substanz in Hirnbereichen, die die soziale Intelligenz steuern. Wie sich die kognitiven Einbußen auf die Lebensqualität von Schwangeren und ihre berufliche Leistungsfähigkeit auswirken, bleibt allerdings noch nachzuweisen. CW

Quelle: Davies SJ et al.: Cognitive impairment during pregnancy: ... Med J Aust 2018; doi: 10.5694/mja17.00131

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