Postpartale Anämie | Gyn-Depesche 6/2019

Orale versus intravenöse Eisensubstitution

Ein erheblicher Anteil der Mütter leidet nach der Geburt an einer Anämie. Eine intravenöse Eisensubstitution stellt für diese Frauen eine effektive und sichere Alternative zu oralen Eisenpräparaten dar. Zu diesem Schluss kommt ein Team britischer und nordamerikanischer Wissenschaftler nach Auswertung umfangreicher Studiendaten.
Die postpartale Anämie betrifft in den Industrieländern bis zu 50 % und in den Entwicklungsländern sogar bis zu 80 % der Wöchnerinnen. Angesichts der Unverträglichkeit oraler Eisenpräparate wurden Vor- und Nachteile eine Infusionstherapie nun einmal genauer analysiert. Dazu werteten Wissenschaftler aus London, Stanford und Toronto 15 thematisch relevante randomisierte Studien aus. In die Analyse eingeschlossen wurden Daten von 2.182 Müttern (1.001 orale Therapie; 1.181 intravenöse Eisenpräparate) mit einer Hämoglobinkonzentration von weniger als 12 g/dl nach der Geburt.
Das Ergebnis: Die mit intravenösem Eisen behandelten Frauen hatten nach sechs Wochen signifikant höhere Hämoglobinkonzentrationen. Und zwar lag ihr Wert durchschnittlich um 0,9 g/dl über dem der mit oralen Eisenpräparaten behandelten Mütter. Auch bezüglich des Hämoglobinwerts innerhalb der ersten drei postpartalen Wochen sowie der Ferritinkonzentration im Wochenbett erwies sich die Infusionsstrategie als vorteilhaft. Zwar begünstigte die intravenöse Eisengabe Hautreaktionen, gastrointestinale Nebenwirkungen (Obstipation, Dyspepsie) traten dagegen signifikant seltener auf. Anaphylaxien beobachteten die Forscher bei weniger als ein Prozent der intravenös behandelten Mütter.
Angesichts der hohen therapeutischen Effektivität sowie des akzeptablen Nebenwirkungsprofils befürworten die Wissenschaftler die intravenöse Eisensubstitution bei der postpartalen Eisenmangelanämie. Sollten weitere Studien die Metaanalyseergebnisse bestätigen, sei eine Überprüfung und gegebenenfalls Anpassung der gültigen Behandlungsempfehlungen nötig. LO
Quelle: Sultan P et al.: Oral vs intravenous iron therapy for postpartum anemia ... Am J Obstet Gynecol 2019; 221(1): 19-29.e3. doi: 10.1016/j.ajog.2018.12.016

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