Hypothalamische Amenorrhoe | Gyn-Depesche 3/2019

Pulsatiles GnRH verhilft zum Nachwuchs

Wenn die pulsatile Abgabe von GnRH (Gonadotropin releasing hormone) zu weit zurückgeht, sind die Folgen ein Ausbleiben der Menses, Anovulation und Infertilität. Es gibt verschiedene Regime um das Defizit auszugleichen, mit mehr oder weniger Erfolg.

Die primäre hypothalamische Amenorrhoe basiert auf einer Unterentwicklung der GnRH-Sekretion. Bei der sekundären Form handelt es sich um eine neuroendokrine Störung ohne organischen Defekt, der ein Energiedefizit, Essstörungen, Stress und übertriebene körperliche Belastung zugrunde liegen können.
Bei Hypothalamus-Dysfunktion kann man mit hormonellen Maßnahmen gegen Anovulation und Infertilität vorgehen, z. B. mit FSH, um eine Follikelreifung zu induzieren, gefolgt von hCG oder LH zur Auslösung einer Ovulation. Eine Alternative ist die pulsatile Verabreichung von GnRH mittels einer Pumpe. Das Pulsmuster ahmt dabei die physiologische Ovar-Stimulation nach. Dies bewirkt eine physiologische Gonadotropin-Produktion seitens der Hypophyse und die Etablierung monofollikulärer Menstruationszyklen; das Risiko von Mehrlingsschwangerschaften und eines ovariellen Hyperstimulationssyndroms wird minimiert.
Experten aus Athen bezeichnen diese Methode als das Vorgehen der Wahl bei hypothalamischer Amenorrhoe. Dennoch wird sie eher selten praktiziert. Um ihren Nutzen zu belegen, werteten sie drei randomisierte klinische Studien und 32 Beobachtungsstudien mit zusammengenommen 1.002 Patientinnen mit hypothalamischer Amenorrhoe aus. Die Auswertung zeigte, dass die pulsatile Gabe von GnRH hohe Ovulationsraten induziert. Zu einem ovariellen Hyperstimulationssyndrom kam es selten und nur in leichter Ausprägung. Die Häufigkeit von Mehrlingsschwangerschaften war im Vergleich zur Normalbevölkerung geringfügig gesteigert. Intravenös verabreichtes GnRH war selten mit einer oberflächlichen Thrombophlebitis assoziiert.
 
Keine Empfehlung bei Anorexie
 
Vom Einsatz der Methode bei Frauen, deren Infertilität auf Anorexia nervosa beruht, raten die Griechen allerdings ab. Bei solchen Patientinnen treten geburtshilfliche Probleme und perinatale Morbidität vermehrt auf. Sie neigen zu postpartaler Depression und zu Rezidiven ihrer Erkrankung nach der Entbindung. Der BMI sollte ≥ 18,5 kg/m² betragen, wenn man eine Ovulationsinduktion in Betracht zieht.
Die Autoren schätzen nach ihren Daten die pulsatile GnRH-Gabe als eine gut verträgliche und erfolgreiche Methode ein, um den Menstruationszyklus wiederherzustellen. WE
Quelle:

Tranoulis A et al.: Efficacy and safety of pulsatile gonadotropin-releasing hormone therapy among patients with idiopathic and functional hypothalamic amenorrhea ... Fertil Steril 2018; 109: 708-19

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