Genitalbeschneidung | Gyn-Depesche 5/2018

Viel Überzeugungsarbeit ist nötig

Die Verstümmelung des weiblichen Genitals ist Tradition in vielen Ländern (z. B. Schwarzafrika, Asien, Naher Osten). Mit den Migrationsbewegungen haben diese Bräuche auch in westlichen Ländern zunehmend Fuß gefasst.

Für die USA schätzte man im Jahr 2012 die Zahl der Mädchen und Frauen, die einem solchen „Eingriff“ unterzogen wurden oder bei denen ein derartiges Risiko bestand, auf etwa 513 000. In Großbritannien konstatierte man im Jahr 2015 137 000 Eingriffe und 60 000 Risikofälle. Eine Arbeitsgruppe aus Birmingham, UK, sammelte in Datenbänken Berichte darüber, ob eine Aufklärung der von diesen Misshandlungen gefährdeten Personenkreise diese davon abbringen kann. Von 359 infrage kommenden Studien konnten zwölf eingehend ausgewertet werden.
Die Ergebnisse des Reviews stellen die verbreitete Ansicht infrage, Aufklärung sei bei diesem Thema ein Selbstläufer. Die Wirksamkeit solcher Interventionen hängt von vielen Faktoren ab, soziodemographischen und sozioökonomischen, Traditionen und Überzeugungen und von der individuellen Struktur der Maßnahmen. Diese müssen genau auf die jeweilige Zielgruppe zugeschnitten sein.
Die Chancen für einen Erfolg der Aufklärung sind besonders hoch, wenn diese aus der Gemeinde heraus von einer religiösen oder anderen Autorität vermittelt wird. Diese Tatsache kennt man von dem ebenso sensiblen Thema HIV. Ein einfacher, aber wirksamer Trick besteht darin, dass sich der Aufklärer ähnlich kleidet wie sein Publikum. Die Mütter der gefährdeten Mädchen zu überzeugen, kann in der einen Population wirksam sein, in einer anderen aber nicht, z. B. wenn hier eher Männer das Sagen haben. WE

Quelle:

Waigwa S et al.: Effectiveness of health education as an intervention designed to prevent female genital mutilation/cutting (FGM/C): a systematic review. Reprod Health 2018; 15(1): 62

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