Notfall-Kontrazeption | Gyn-Depesche 2/2020

Wie effektiv sind IUD? Es gibt neue Daten!

Die Kupfer-Spirale (copper intrauterine device, Cu-IUD) gilt als ein sehr effektives Notfall-Kontrazeptivum. Die Versagensrate liegt bei ca. 0,1 %. Aber IUD stellen auch kostengünstige LARC (long-acting reversible contraceptives) dar. Eine aktuelle Übersichtsarbeit lieferte nun neue Zahlen dazu.
Die Autoren führten eine ausführliche Literaturrecherche durch und konnten 18 Studien von 228 gescreenten Veröffffentlichungen identififizieren, die ihre Qualitätskriterien erfüllten. Die Untersuchungen stammen aus fünf Ländern und decken die Jahre 2011 bis 2018 ab.
Innerhalb des untersuchten Zeitraumes wurden 1.720 IUD eingesetzt, wobei sieben unterschiedliche Modelle zum Einsatz kamen. Die Versagensrate lag dabei bei 0,12 %. Die maximale Zeitspanne zwischen dem fraglichen Geschlechtsverkehr und der IUD-Insertion betrug 14 Tage. Das ist deshalb bemerkenswert, da ursprünglich ein Zeitraum von maximal 120 Stunden zwischen dem ungeschützten Geschlechtsverkehr und der IUD-Einbringung angegeben wurde.
In der Langzeit-Betrachtung sah man allerdings auch, dass innerhalb eines Zeitraums von zwölf Monaten mehr als 20 % der Frauen das IUD wieder entfernen ließen bzw. es zur Expulsion kam. Hierzu konnten insgesamt sechs Studien Angaben machen. Das Follow-up lag zwischen sechs und zwölf Monaten und die Rate an Schwangerschaften zwischen 0 und 5,4 %. Zu Expulsionen kam es je nach Studie in bis zu 11,4 % der Fälle und zur Entfernungen des IUD bei 0 bis 24 % der Frauen.
Die Autoren meinen, in Anbetracht dieser Ergebnisse sei das IUD als Notfall-Kontrazeptivum immer noch unterschätzt und würde zu wenig eingesetzt. Das zeigten die Daten dieser über 1.700 Frauen gut, die zudem andere vorliegende Studien von ca. 7.000 Fällen ergänzten. In der Praxis sollte man also Patientinnen, die nach einer oralen Notfall-Kontrazeption fragen, zumindest auf die Möglichkeit des Cu-IUD und auf die Langzeit-Vorteile hinweisen. In Zeiten der Abgabe der „Pille danach“ in Apotheken könnte das allerdings schwierig sein.
Das IUD könnte auch dann eine Option sein, wenn es für die orale Variante der Kontrazeption bereits zu spät ist. Ohnehin wären Vergleichsstudien sinnvoll, die das IUD versus einer oralen Notfall-Kontrazeption evaluieren, um hier noch aussagekräftigere Daten zu generieren.
Aber auch die Wahl des korrekten IUD spielt im Setting der Notfall-Kontrazeption eine wichtige Rolle. Hier seien jedoch die Hersteller angehalten, so die Autoren der Publikation, noch mehr und bessere Daten zu liefern. CB
Quelle: Goldstuck ND, Cheung TS: The efficacy of intrauterine devices for emergency contraception an dbeyond: a systemativ review. Int J Womens Health 2019; 11: 471-9

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