Therapie bei Ovarialkarzinom | Gyn-Depesche 4/2018

Zentralisation tut not

Schwierige Eingriffe wie die OP bei Ovarialkarzinom sollten im Idealfall an Kliniken mit viel Erfahrung vorgenommen werden. In den USA ist das nach einer aktuellen Studie aber häufig nicht der Fall. Dies zu ändern, ist aber gar nicht so einfach.

In den Vereinigten Staaten werden 25 bis 35% der Frauen mit Ovarialkarzinom in Kliniken mit geringer Anfall solcher Fälle versorgt. Die Konzentrierung dieser Therapien auf hochqualifizierte Zentren würde aber bedeuten, dass viele Patientinnen weite Anreisen in Kauf nehmen müssten. Etwa 9% der US-Bevölkerung wohnen mehr als 50 Meilen entfernt von einem gynäkologischen Onkologen. Bei diesen Frauen wird ein Krebs mit höherer Wahrscheinlichkeit nicht optimal behandelt. Einigen ist die Anreise zu einem Zentrum mit viel Erfahrung zu mühsam, und vielen ist gar nicht bewusst, dass der Aufwand einen Überlebenvorteil bedeuten könnte.
Im Rahmen einer Umfrage von 117 Frauen mit einer verdächtigen Raumforderung im Becken (ohne dass ein Ovarialkarzinom belegt war) gaben 81% an, sie würden eine längere Reise (über 50 Meilen) für einen Fünfjahres-Überlebensvorteil von 6% oder weniger in Kauf nehmen. Die Übrigen würden es nur bei einem höheren Nutzen tun. Unterstellte man einen fixen Überlebensvorteil von 6%, würden 80% auch weit anreisen.
Jede fünfte Patientin mit Ovarialkarzinom würde sich also entschließen, nicht zu einem hochqualifizierten Zentrum anzureisen, auch wenn sie weiss, dass damit ein Überlebensvorteil verbunden ist. Die Anreisen für Frauen aus der Provinz sollten daher aus Sicht der Autoren erleichtert werden, und weniger erfahrene Kliniken sollten mit Experten-Netzwerken aufgerüstet werden. WE

Quelle:

Shalowitz I et al.: Are patients willing to travel for better ovarian cancer care? Gynecol Oncol 2018; 148: 42-8

ICD-Codes: C56

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