Kasuistik

Gyn-Depesche 6/2020

Zervixtumor kann auch ein Non-Hodgkin-Lymphom sein

Bei vaginalen Blutungen in der Postmenopause denkt man in erster Linie an ein Zervix- oder Endometriumkarzinom. In seltenen Fällen kann jedoch auch ein uterines Mantelzelllymphom dahinterstecken.
Eine 58-jährige Frau klagte über vaginale Blutungen, ein Druckgefühl in der Blase und eine rasch wachsende Geschwulst in der Zervix. Die gynäkologische Untersuchung offenbarte einen Tumor von etwa 5 cm Durchmesser, der hochverdächtig für ein lokal fortgeschrittenes Zervixkarzinom war. Seine Oberfläche erschien glatt, ohne exophytische oder erosive Komponente. Sonographie, MRT und CT zeigten eine starke Vaskularisierung des Tumors mit Infiltration der Blase, Vagina und Parametrien. Die Lymphknoten waren nicht vergrößert; in Leber, Lunge und Knochen fanden sich keine Läsionen. Im Vorjahr war bei der Patientin ein Mantelzelllymphom im Stadium IIIa diagnostiziert worden. Die Follow-up-Untersuchungen nach erfolgter Behandlung waren negativ. Trotz der Anamnese kam das immunhistochemische Ergebnis der Zervixtumor-Biopsie unerwartet: Die neoplastischen Zellen erwiesen sich als CD20- und 100 % Ki67-positiv, aber negativ für CD3, CD5, CD10, BCL2, S100 und Cytokeratin. Die Diagnose lautete daher auf ein zervikales Rezidiv des Mantelzelllymphoms. Die Patientin wurde mit dem Bruton- Tyrosinkinase (BTK)-Inhibitor Ibrutinib behandelt, die Erkrankung persistierte jedoch.
Das Mantelzelllymphom ist ein selten vorkommender, hochmaligner Subtyp der Non-Hodgkin-Lymphome (NHL). Seine jährliche Inzidenz beträgt 1 - 2 pro 100.000; etwa ein Viertel der Betroffenen ist weiblich. Extranodale Manifestationen finden sich häufig, meist im Knochenmark, in der Leber oder im Gastrointestinaltrakt. Ein Befall der Zervix wurde in der Literatur bisher nicht beschrieben. Generell machen Lymphome nur etwa 0,3 % aller malignen Zervixtumore aus. Dennoch sollten Kliniker im Falle von vaginalen Blutungen bei Patientinnen mit einem NHL in der Vorgeschichte auch an diese Möglichkeit denken, betonen die Autoren. Als diagnostischer Hinweis wird ein iso- oder hypointenses Signal im T1-gewichteten MRT-Bild mit einem homogenen, stark hyperintensen Signal in der T2-Wichtung ohne scharfe Grenzen gewertet. Das optimale Management ist angesichts der geringen Fallzahlen allerdings unklar, die Prognose sehr ungünstig. CW
Quelle: Santangelo G et al.: Recurrent mantle cell lymphoma in the uterine cervix: a case report. Journal of Medical Case Reports 2020; 14(1): 138
ICD-Codes: C53.9 , C85.9
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