PRAXIS-TIPP: Zervixkarzinom-Vorsorge

Gyn-Depesche 1/2015

Wer ist zu alt fürs Screening?

Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind das wichtigste Mittel zur Früherkennung des Zervix-CA. Bis zu welcher Altersgrenze das Screening wirklich sinnvoll ist, ist umstritten und bisher kaum mit Daten belegt.

Den Zusammenhang zwischen Vorsorge und dem anschließenden Auftreten von Gebärmutterhalskrebs untersuchte eine Fall-Kontroll-Studie anhand eines Datensatzes aus England und Wales. Der Screeninghintergrund von 1340 Frauen mit Zervix-CA im Alter von 65 bis 83 Jahren wurde mit Daten von jeweils zwei altersgleichen gesunden Frauen (mit gleichem bzw. anderem Allgemeinarzt) verglichen und daraus die relative Wahrscheinlichkeit (OR) für Gebärmutterhalskrebs ermittelt.
In Relation zu Frauen ohne Vorsorgehintergrund reduzierte ein adäquates negatives Screening zwischen dem 50. und 64. Lebensjahr die Wahrscheinlichkeit für eine Zervixkarzinomdiagnose im Alter von 65 bis 83 auf 1/6. Das geringste Risiko trugen dabei Frauen im Alter von 65 Jahren (OR = 1,6). Nach dem 69. Lebensjahr sank der Schutz durch die Vorsorge dann mit zunehmendem Alter und Zeitabstand zum letzten negativen Screening ab. Ein Vorsorgeintervall von ≤5,5 Jahren reduzierte das Risiko der 50- bis 64-Jährigen für Zervix-CA zwischen dem 65. und 79. Lebensjahr um 75% (OR = 0,25). Ohne Vorsorge würde sich die aktuelle Rate an Zervix-CA vermutlich sogar mehr als verdoppeln.
Das zeigt, dass vor dem 60. Lebensjahr ein regelmäßiges Screening wesentlichen zum Schutz vor Gebärmutterhalskrebs beiträgt, ein Vorsorgestopp zwischen dem 60. und 69. Lebensjahr allerdings sinnvoll wäre. OH

Quelle:

Castañón A et al.: Cervical screening at age 50- 64 years and the risk of cervical cancer at age 65 years and older: population-based case control study. PLoS Med 11 (2014) e1001585

ICD-Codes: C53.9
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